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Perry Rhodan



Arndt Ellmer

Rico

rezensiert von Thomas Harbach

Nach drei Trilogien unterschiedlicher Qualität legt die Fanpro mit dem zehnten ATLAN Taschenbuch zum ersten Mal einen Einzelroman vor. Im Herbst soll es mit einem Sechsteiler weitergehen. Der Autor des Romans ist Arndt Ellmer. Auch wenn das Buch den Kneifel´schen Zeitabenteuern gewidmet ist und der Titelfigur „Rico“ immer über Atlans Tiefschlafphasen in der unterseeischen Kuppel gewacht hat, spielt der Roboter nicht die Hauptrolle. Zu Beginn des Buches wird noch der Eindruck erweckt, als handele es sich beim vorliegenden Roman um die „Lebensgeschichte“ des Roboters, der Atlan vielleicht auf einigen Abenteuern während seiner Wachphasen auf einer archaischen Erde begleitet. Danach springt die Handlung gleich auf das Quinto Center um. Eine geheimnisvolle Organisation will geheime Daten über die USO versteigern. Zu erst glaubt Atlan an einen Verräter in den eigenen Reihen. Bevor er sich diesem Problem wirklich nähern kann, erreicht ihn ein verstümmelter Notruf von der Erde. Dieser kann nur aus seiner Unterwasserkuppel und damit von seinem Roboter Rico stammen, welchen er zusammen mit einigen arkonidischen Kampfrobotern in der Kuppel auf dem Meeresgrund zurückgelassen hat. Für den Leser ist es nicht weiter überraschend, das Atlan wichtigste Daten über die USO und die Lage des Quinto Mondes ebenfalls in Rico gespeichert hat. Warum er diese Daten nicht in der Positronik der geschützten Station hinterlegt hat, ist eine der offenen Fragen, welche der Leser besser nicht hinterfragen sollte. Ansonsten funktioniert der Plot nicht. Weiterhin scheint Atlan der einzige zu sein, dem bekannt ist, das es einen zweiten Speicher dieser Daten gibt. So berichtet er nach seiner Ankunft auf der Erde auch nicht bei einem gemütlichen Zusammensein mit seinen Freunden – Perry Rhodan am Grill – von dem Funkspruch aus der Untereseebasis und dem möglichen Datenverlust. Der Leser weiß im Gegensatz zu Arndt Ellmers Charakteren vom ersten Moment, in welchem davon geschrieben wird, das Rico über diese Daten verfügt, an, das es keinen Verräter im Quinto Center gibt, sondern die geheimnisvolle Aktion mit dem Roboter in einem engen Zusammenhang steht.

Atlan macht sich quasi im Alleingang nur zusammen mit einem USO Spezialisten auf die Jagd nach den Datendieben. Durch ein Unterseebeben ist die Kuppel für kurze Zeit sichtbar und ortbar gewesen. Ein Meeresarchäologe hat die Kuppel, deren ungefähre Position ja bekannt ist, gefunden. Atlan versucht in die Kuppel einzudringen, als gerade eine Handvoll irdischer Roboter – anscheinend allerdings von einer Verbrecherorganisation ausgeschickt – die Kuppel mit Gewalt nehmen wollen. Der Angriff wird abgewehrt, Rico ist allerdings schon einige Tage vorher entführt worden. Auch für diese Situation scheint es keinen Notfallplan zu geben- Atlan folgt den Hinweisen auf eine Verbrecherorganisation erst nach Paris, dann auf den Planeten Montagne. In einer Parallelhandlung verfolgt der Leser, wie die Verbrecher versuchen, Rico die geheimen Daten zu entlocken. Natürlich ist es für Atlan ein Rennen mit der Zeit.

„Rico“ ist ein sehr geradliniger, actionorientierter Roman mit sehr viel Atlan und im Vergleich sehr wenig Rico. Das ist umso bedauerlicher, weil Arndt Ellmer insbesondere in den letzten Kapiteln eine faszinierende Roboterpersönlichkeit zeichnet, die sich eher als menschliches Wesen denn als Maschine fühlt. Der Leser würde sehr gerne viel mehr über ihn erfahren und vielleicht entschließen sich Fanpro und Arndt Ellmer in einem der folgenden Taschenbücher, eine Art Kosmo- Chronik Ricos zu schreiben. Hier böte sich eine sehr gute Möglichkeit, zumindest einige von Atlans Zeitabenteuern aus einer gänzlich anderen interessanten Perspektive zu verfolgen.

Atlan als entschlossener, aber natürlich auch in Hinblick auf seine zweite Heimat sentimentaler Arkonide ist dagegen eher klassisch unauffällig gezeichnet. Die spöttischen Dialoge mit seinem Extrasinn sind unterhaltsam. Seine Ermittlungen sind geradlinig, zu Beginn noch von einer Reihe von Zufällen begünstigt. Der Showdown kommt etwas überhastet und die Konfrontation mit den eigentlichen Schurken und ihren Helfern wird effektiv, aber etwas zu schnell abgeschlossen. Was Arndt Ellmers Charakterisierung allerdings auszeichnet, sind die vielen Querverweisen auf die Perry Rhodan bzw. Atlan Heftromanserien. Das beginnt mit einer barbarischen Schlacht und endet schließlich beim Tod von Faktor I Thetin. Inzwischen haben die Antagonisten aus Atlans Vorgehen gelernt und lassen sich auf diese Art und Weise nicht mehr überrumpeln. In die umfangreiche Geschichte der Serie eingebettet fühlt sich Arndt Ellmer sichtlich wohl und in diesen kleinen Szenen funktioniert sein umfangreicher Roman am Besten. Der Grillabend wirkt dagegen eher unglaubwürdig und stört den Sense of Wonder. Wie auch schon in der Actionserie mit Marc A. Herrens Hinweise auf die ewig neutrale Schweiz – sein Heimatland – versuchen die Autoren immer wieder kleine Seitenhiebe und Querverweise in die Romane einzubauen. Das es in der fernen Zukunft noch Rumkugeln gibt, erscheint eher unwahrscheinlich. Autoren wie Ernst Vlcek oder Clark Darlton sind in dieser Hinsicht der jetzigen Autorengeneration – auch wenn Arndt Ellmer als Mitglied der dritte Perry Rhodan Autorengeneration eher zum erfahrenen, aber nicht alten Eisen gehört – noch immer um Meilen voraus. Unabhängig von den Seitenhieben sind allerdings einige kleine Unstimmigkeiten über den Roman verteilt. So wird Atlans Hazienda von Robotern bewacht, welche den Eindruck erwecken sollen, das Haus wäre bewohnt. Auf der anderen Seite deckt der Arkonide bei der ersten Gelegenheit deren Geheimnis auf, in dem er seinen treuen Begleiter als perfekten Androiden identifiziert.
Weiterhin versucht Arndt Ellmer den Leser davon zu überzeugen, dass eine Einladung 36 Jahre unbeachtet in Atlans Haus gelegen hat. Kein Roboter hat sich darum gekümmert, der Lordadmiral ist davon nicht informiert worden. Obwohl Atlan ja immer wieder die Galaxis retten muss, erscheint es sehr unwahrscheinlich, das er keinen Kontakt zu seiner zweiten Basis auf der Erde gehabt hat.

Als Actionroman funktioniert Atlan fast in der Tradition der James Bond Abenteuer oder treffender „Mission Impossible“ Geschichten solide bis sehr gut. Eine galaxisweite Bedrohung muss durch einen Einzelgänger ausgeschaltet werden. Dieser hat auch ein persönliches Interesse an der Überführung der Schurken. Die gegnerische Organisation geht natürlich rücksichtslos gegen Abweichler bzw. evtl. Konkurrenten vor. Atlan kann am Ende des Buches in die Schaltzentrale der Macht eindringen und die Gegner direkt stellen. Nicht viele Überraschungen in Hinblick auf die Ploteröffnung, aber zumindest solide Unterhaltung. Zu den besten Szenen gehört das Eindringen in die Unterwasserkuppel. Hier schreibt Arndt Ellmer spannend und dramatisch. Zusätzlich baut er eine fast nostalgische Stimmung auf. Ihm gelingt es, Atlans ambivalente Gefühle sehr gut in Worte zu fassen und den Arkoniden überzeugend als emotionales Wesen zu charakterisieren. Diese Szene wird sich am Ende des Romans noch einmal in der Wiederbegegnung zwischen Rico und Atlan spiegeln, die zweite wirklich gelungene Sequenz. Dazwischen finden sich eine Reihe von interessanten, aber sehr routiniert geschriebenen Szenen. „Rico“ ist kein Roman, der wirklich enttäuscht. Im Vergleich zu seinen früheren längeren Arbeiten wie „Im Netz der Noggo“ setzt Arndt Ellmer den schon in der Rhodan Serie begonnenen Aufwärtstrend fort. Die Dialoge sind gut geschrieben und die stilistischen Schwächen, welche manchen seiner Romane durchziehen, im Großen und Ganzen ausgemerzt. Der Leser muss sich in erster Linie auf einen Thriller einstellen und nicht die Lebensgeschichte „Ricos“. Ist diese Enttäuschung überwunden, beginnt der Roman mit seinem rasanten, mehrspurigen Auftakt zu gefallen. Im Verlaufe des Buches führt Arndt Ellmer die einzelnen Handlungsebenen sehr konsequent, allerdings plottechnisch vorhersehbar zusammen. Atlan wird auf seiner körperlich wie geistig Mission gefordert, darf die schöne Damenwelt umgarnen, stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und geht am Ende als Sieger vom Platz.

Arndt Ellmer: "Rico"
Roman, Softcover, 345 Seiten
Fanpro 2008

ISBN 9-7838-9064-1775

Weitere Bücher von Arndt Ellmer:
 - Perry Rhodan 2294: Kristallchaos

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